Kinder in Deutschland

Kind sein in Deutschland scheint kein Zuckerschlecken zu sein. Laut  jüngstem Bericht der Unicef zur Lage von Kindern in Deutschland leben fast 9 % von ihnen unter der Armutsgrenze, besonders häufig arm sind Kinder von alleinerziehenden Müttern. In Städten ist die Lage schlechter als in den Flächenländern. Europaweit liegt Deutschland auf einen für ein so reiches Land ernüchternden 15. Platz. Doch es gibt noch schlimmere Nachrichten: Nach einem aktuellen Kriminalitätsbericht des BKA sterben in Deutschland durchschnittlich 3 Kinder pro Woche durch häusliche Gewalt oder Vernachlässigung. 2011 wurden 14000 Kinder Opfer sexuellen Mißbrauchs. Über 4000 Kinder wurden körperlich mißhandelt. Das sind nur die offiziellen Zahlen. Experten vermuten eine erhebliche Dunkelziffer.

Gleichzeitig gilt Deutschland als das kinderärmste Land Europas. Nurmehr 18 % der Bevölkerung sind unter 18 Jahre. Die Quote wird trotz Zuwanderung weiter sinken. Familien mit mehr als zwei Kindern werden mehr und mehr als Randgruppe wahrgenommen.

Ist also die deutsche Gesellschaft besonders familien- bzw. kinderfeindlich? Viele empfinden das so. Schräge Blicke in der U-Bahn, genervte Reaktionen bei Kinderlärm, wenig Aussichten auf eine Wohnung, weniger zur Verfügung stehendes Einkommen, kaum Vereinbarkeit von einem Karrierejob und Kinderwunsch prägen das Bild.

Es besteht wohl ein statistisch relevanter Zusammenhang zwischen der Lebenssituation von Kindern und der wirtschaftlichen Situation der Eltern. Verschlechternde wirtschaftliche Verhältnisse verschlechtern in Deutschland auch die Lebenssituation von Kindern.

Das wird sich in der Zukunft bitter rächen. Damit meine ich nicht mal nur unser ineffektives Rentensystem. Es wird auch zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen kommen, wenn junge Leute fehlen, um als Fachkräfte in der Wirtschaft zu arbeiten. Wenn wir uns dann noch unser Bildungssystem anschauen, bei dem wir es uns leisten, eine erhebliche Zahl von Schulabbrechern zu produzieren, wird die Situation nicht besser.

Hier ist eine Vielzahl von Maßnahmen nötig und möglich. Eine wichtige ist sicher der f lächendeckende Ausbau von Krippen- und Kindergartenplätzen, so das auch alleinerziehende Mütter in der Lage sind einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.Viele weitere Maßnahmen sind denkbar: Mehr Hilfsangebote für überforderte Eltern, Ganztagsschulangebote, kostengünstige Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche.

Doch machen wir uns nichts vor. Das wird alles viel Geld kosten. Bis jetzt ist in Politik und Gesellschaft allerdings kaum Bereitschaft zu erkennen für einen gerechten Familienlastenausgleich zu sorgen. Da das Thema schon seit über 30 Jahren diskutiert wird, habe ich wenig Hoffnung. Schade. Schade für unsere Zukunft. Schade für die Zukunft unserer Kinder.

Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/leben/statistik-kinder-in-deutschland-absage-an-die-familie-1.1127859

http://www.unicef.de/presse/2011/unicef-bericht-kinder-in-deutschland/

http://www.zeit.de/news/2012-05/29/kriminalitaet-im-durchschnitt-drei-tote-kinder-pro-woche-durch-gewalt-29145403

https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsbewegung/BroschuereGeburtenDeutschland0120007129004.pdf?__blob=publicationFile

http://de.wikipedia.org/wiki/Kindesmisshandlung

http://eltern.t-online.de/so-kinderfeindlich-ist-deutschland/id_46130110/index

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