Ein Beispiel für Ignoranz?

In einem Leitartikel im Straubinger Tagblatt vom 05.05.2012 schreibt Prof. Dr. Martin Balle über die Piratenpartei. Neben den üblichen klischeehaften Vorstellungen verbreitet  Dr. Balle, der Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, die wichtige Lokalzeitungen in Ostbayern herausgibt und damit praktisch ein regionales Zeitungsmonopol hat, weitere „interessante“ Ansichten, die ich im folgenden kommentieren möchte:

Im ersten Teil seines Artikels spricht sich Dr. Balle gegen die völlige Enträtselung des menschlichen Seins aus. Das Unbewußte solle also unbewußt bleiben, sonst würde der Mensch unglücklich und verlöre seine Dynamik. Der Mensch sei also nicht geschaffen für die ganze Wahrheit.

Was hat das mit den Piraten zu tun? Gibt es irgendwo Forderungen der Piraten das Unbewußte ganz zu entschlüsseln? Im nächsten Absatz wird es klarer. Prof. Dr. Balle bezieht sich auf die Forderung der Piraten nach Transparenz im politischen Alltag, verknüpft hier also Psychologie mit Politik und erklärt den Menschen für unfähig so viel Wahrheit auszuhalten. „…der Ruf nach weitgehender Transparenz allen politischen und gesellschaftlichen Geschehens“ sei  „in sich ein Irrsinn“. Ich glaube dem Herrn Prof. Dr. Balle sogar, dass uns „einfachen“ Bürgern die Augen tränen würden, wenn wir in Bayern mit der kompletten politischen Wirklichkeit konfrontiert würden. Das Stimmvieh solle besser nicht so viel wissen und dafür glücklich bleiben. Welches Menschenbild offenbart sich hier? Offensichtlich sind die Lehren der Aufklärung und des Humanismus noch nicht überall in Ostbayern angekommen. Ich möchte den Herrn Professor gerne hier beruhigen: Selbst der niederbayerische CSU-Wähler des 21. Jahrhunderts ist mental stark genug, die ganze Wahrheit zu ertragen. Ob er dann noch CSU wählt, ist allerdings eine andere Frage. Doch weiter im Text:

Im nächsten Abschnitt wird der Wert und die Kompetenz für Politik und Gesellschaft der „traditionellen Parteien“ gegenüber den Piraten herausgestellt. Diese Kompetenz in Wirtschafts- (Euro, Bankenkrise, Arbeitsmarkt), Sozial- (Rente mit 67, Gesundheitskosten, Hartz IV, Zeitarbeitsverträge) und Rechtsfragen (Vorratsdatenspeicherung, Staatstrojaner, ACTA) würde ich gerne genauer erläutert haben.

Der folgende Abschnitt soll diese Aussagen vertiefen und die Grünen werden hier im Vergleich mit den Piraten hochgelobt: „Denn die Grünen waren damals ein teilweise hoch qualifiziertes Sammelbecken ganz verschiedener politischer Interessen, das sich über die Jahre immer besser zu organisieren lernte. Sie waren nie eine Monokultur, der es etwa ausschließlich um den Umweltschutz gegangen wäre.“  Wie gut sich die Grünen organisiert bzw. arrangiert haben, konnte man die letzten Jahre verfolgen: Afghanistan- und Balkaneinsatz der Bundeswehr, vor allem der Kriegseinsatz im Kosovo, faktische Tolerierung des völkerrechtswidrigen zweiten Irakkriegs…

Der nächste Teil ist der „Schönste“:

„Für die Medien aber ist es schwierig, mit dem Phänomen der Piraten umzugehen. Sie sind keine ernst zu nehmende Partei. Sie bieten keine politischen Inhalte. Sie verfügen über kein ansprechendes Personal. Weil aber fast zehn Prozent der Wählerinnen und Wähler in ihrem Angewidert-Sein von den anderen Parteien denen heute ihre Stimme geben würden, haben sie trotz ihrer Bedeutungslosigkeit Bedeutung. Also muss über sie berichtet werden. Neben Jürgen Trittin oder dem Chef der Linken, Ernst, flimmern jetzt also auch noch die lächerlichen Figuren der Piraten aus den Abendnachrichten.“ Nach diesen üblichen Klischees und ein paar Beleidigungen kommt jetzt jedoch der Hammer:

„Damit aber fördern sie [die Piraten] heute schon die allgemeine Politikverdrossenheit.“

Die Piraten sind also an der Politikverdrossenheit schuld. Hier bricht jetzt wohl der Realitätsverlust endgültig durch. Herr Professor, die Politikverdrossenheit gibt es schon länger als die Piraten! Sie wurde von den „traditionellen Parteien“ verursacht und macht die Erfolge der Piraten erst möglich. Die Piraten sind zur Zeit die einzige Partei in Deutschland, die in nennenswerten Umfang Nichtwähler mobilisiert, also Politikverdrossenheit abbaut. Und das ist sicher nicht bedeutungslos. Die „Themen- und Bedeutungslosigkeit“ der Piraten zeigt auch darin, dass die „traditionellen Parteien“ in den letzten Monaten versuchen, Themen der Piraten zu besetzen. Plötzlich twittern Politiker der „traditionellen Parteien“, die sich vermutlich ihre Emails noch ausdrucken lassen, reden von Netzpolitik und web 2.0, denken über bundesweite Volksentscheide nach oder veranstalten Facebookpartys  ohne die wahre politische Aussage der Piraten zu begreifen: Es geht um politische Mitbestimmung und um bürgerliche Freiheit. Es geht um soziale Gerechtigkeit und eine pluralistische, friedliche und angstfreie Gesellschaft. Und niemand, der für diese Inhalte ist, ist „politisch zynisch“ oder „undemokratisch“, sondern er versucht  diesen Staat vor der Ausbeutung durch die Lobbyisten und sogenannten Global Players zu retten und genau deshalb sind die Piraten genau die „Antwort auf die Probleme der Zeit“!

Klarmachen zum Ändern!

Quellen:

http://www.idowa.de/aktuell/container/container/con/1010566.html

http://www.martin-balle.de/index_html

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5 Kommentare zu “Ein Beispiel für Ignoranz?

  1. Wieso kannst Du dich ueber so einen D..ppen ueberhaupt aufregen?
    Du erwartest auch nicht dass ein Huhn die Relativitaetstheorie versteht…
    Mit anderen Worten aus verrueckem Kopf nur verrueckte Ideen rauskommen!
    Egal ob er ein Prof. ist oder nicht…Diese Leute darft Du nicht (mit Denken) ueberfordern….
    ommi

  2. Nun wer seine Promotion über ein so illusteres Thema wie „Sich selbst schreiben – Literatur als Psychoanalyse : Annäherung an Max Frischs Romane „Stiller“, „Homo faber“ und „Mein Name sei Gantenbein“ aus psychoanalytischer Sicht“ an der Universität München verfasst hat, ist wohl selbst von Realitäten überfordert welche sich nicht mehr in die althergebrachte provinzielle Weltsicht pressen lassen. Unfassbarer wird es gar für Herrn Prof. Dr. Balle wenn sogar die universale Heilslehre der Psychoanalyse offensichtlich nicht zu einem Erkenntnisgewinn führt. Tja Herr Professor, willkommen im 21. Jahrhundert! Es wird Zeit für ein Balleplag…

  3. „sonst würde der Mensch unglücklich und verlöre seine Dynamik“
    verlöre ist konjunktiv 2 im Präteritum. Hier wird verliere gebraucht. Ansonsten guter Artikel.

  4. Piratenfun

    Vielen Dank lieber Gondrino, für Deinen tollen Artikel.
    Ich mache im Freundeskreis Werbung für die Piraten, und werde den Link für diese Seite weiterverteilen, damit meine Freunde nicht nur einseitig über die Zeitung informiert sind.

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