1. Mai – Tag der Arbeit

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Wie alljährlich am 1. Mai haben die die Gewerkschaften zu über 100 Veranstaltungen im Land aufgerufen. Auch in Regensburg zog ein durchaus ansehnlicher Zug von Demonstranten durch die Innenstadt zum Haidplatz , um der anschließenden Kundgebung beizuwohnen. Der Oberbürgermeister der Stadt, Hans Schaidinger (CSU), weitere Bürgermeister, Stadträte und Landtagsabgeordnete waren auch da. Überhaupt war das Interesse an der 1.Mai-Demonstration größer als in den Jahren zuvor. Die IG Metall bereitet sich auf den Arbeitkampf vor, Verdi hatte vor kurzem einen passablen Tarifabschluss erreichen können. Und die DGB-Funktionäre versprachen heute neben Lohnabschlüssen über 6 % noch mehr: Unbefristete Übernahmegarantien für Azubis, Beschränkung der Leiharbeit. Wir werden sehen, was am Ende rauskommt. Warum ich skeptisch bin?

Ich frage mich an solchen Tagen, an denen so markige Reden gehalten werden, was die Gewerkschaften in Deutschland in den letzten 30 Jahren so erreicht haben. Die Reallohnentwicklung in Deutschland ist die niedrigste aller Industrienationen, wir haben Mio. Arbeitnehmer in prekären Arbeitsverhältnissen und die Leiharbeit nimmt immer mehr zu. Gleichzeitig sind die Unternehmensgewinne und Managergehälter in den letzten Jahrzehnten geradezu explodiert. Natürlich kann man jetzt argumentieren, „Es hätte ja noch schlimmer kommen können“ oder „Dafür ist die nominelle Arbeitslosigkeit recht niedrig.“

Doch das überzeugt nicht. Wir haben seit 30 Jahren (bis auf wenige Ausnahmen) ein kontinuierlich steigendes Bruttoinlandsprodukt, die deutschen Arbeitskosten, also der Indikator für die Produktivität, sind die niedrigsten in Europa. Das bedeutet, dass die abhängig Beschäftigten um ihren Anteil am Produktivitätszuwachs regelmäßig betrogen wurden. Das bedeutet, dass die Gewerkschaften in den letzten 30 Jahren sich von den Arbeigebern über den Tisch haben ziehen lassen. Aus welchen Gründen auch immer. Und die Arbeitnehmer haben das auch gemerkt. Auch wenn der DGB in letzter Zeit wieder steigende Mitgliederzahlen verzeichnet, haben die Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten doch Hunderttausende von Mitgliedern verloren. Damit man mich nicht falsch versteht, ich bin für starke Gewerkschaften. Aber für Gewerkschaften, die verdammt noch mal, das machen, wofür sie gewählt sind: Die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten. Und das haben die Gewerkschaften unter dem Dach des DGB  meiner Meinung nach in den letzten 30 Jahren viel zu wenig getan.

Vielleicht deshalb, oder deshalb?

Quellen:

http://www.zeit.de/2012/18/01-Gewerkschaften

http://www.zeit.de/2011/38/Gewerkschaft-Verdi

http://www.faz.net/aktuell/reallohnentwicklung-inflation-frisst-zwei-drittel-der-lohnerhoehungen-11639635.html

BIP 1991-2011

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/mitgliederschwund-gewerkschaften-kaempfen-um-die-wende/5217092.html

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